PERSOUNEN 

 

 

Mit dem "Karl vom Ebbe" sind zwei Namen verbunden, ohne die es die Figur des Karl vom Ebbe, so wie sie heute in Erinnerung ist, nicht gegeben hätte:

Fritz Sträter war der Autor und spätere Interpret des Karl vom Ebbe.
> Wer war Fritz Sträter ?

Wilhelm Vogel war der erste Interpret des Karl vom Ebbe.
> Wer war Wilhelm Vogel ?

 

 

FRITZ STRÄTER

Fritz Sträter war Maschinenbauingenieur, kreativer Produktentwickler und als solcher viele Jahrzehnte erfolgreicher Unternehmer – kein Schriftsteller oder Dichter. Fritz Sträter wurde in Oberkorbecke nahe Meinerzhagen im Jahre 1926 als erstes von drei Kindern der Eltern Karl und Emma Sträter in einfachen Verhältnissen geboren. Der Vater, von Beruf Schlosser, war zur Zeit der Geburt arbeitslos. Einen Großteil seiner frühen Kindheit verbrachte Fritz tagsüber bei seiner Großmutter Emma Schriewer in Müllenbach, wohin seine Eltern mit ihm bald gezogen waren. Emma Schriewer, aufgewachsen auf Genkel, einem Landwirtschaftsweiler bei Meinerzhagen, sprach Platt, wie alle einfachen Leute auf dem Lande. Fritz Sträter erlernte bei ihr das Platt auf ganz natürliche Weise; er wuchs wie selbstverständlich damit auf. Bevor er 1932 in die Schule kam, zog die gesamte Familie wieder nach Genkel.

Seine ersten Schuljahre verbrachte Fritz Sträter in der einklassigen Schule Heed bei Meinerzhagen, später kam er auf die Selekta in Meinerzhagen, wo er die mittlere Reife erwarb. Eine schwere Beinverletzung bewahrte ihn vor der Einberufung zur U-Boot-Marine in den letzten Kriegsmonaten. Er studierte Maschinenbau an der Ingenieurschule in Hagen und trat nach dem Ende seiner Berufsausbildung 1949 in die Firma seines Schwiegervaters August Busch, dem Teilhaber der Firma Busch & Müller in Meinerzhagen ein. Aus seiner Ehe mit Ursula Sträter, geborene Busch, entstammen die Kinder Detlev, Dagmar und Uwe.

Nebenberuflich entwickelte Fritz Sträter mit seinem Vater Karl einen kleinen Produktionsbetrieb, für dessen Leitung er Mitte der 1970er Jahre seine Tätigkeit bei Busch & Müller aufgab. Er entwickelte aus ihm ein angesehenes Unternehmen für Büroartikel, insbesondere zur ergonomischen Organisation des Schreibtisch-Arbeitsplatzes ("sträter concept"); er war dessen Impulsgeber und ideenreicher Produktentwickler. Bis zu seinem 75. Lebensjahr hatte er die Geschäftsführung – gemeinsam mit seinem jüngsten Sohn – inne. Nach dem Tode seiner Ehefrau im Jahre 1983 heiratete er Ende der 1980er Jahre ein zweites Mal. Fritz Sträter verstarb im Dezember 2006 im Alter von 80 Jahren.

Neben seinen beruflichen Anforderungen fand er immer noch Zeit für sportliche und musische Aktivitäten: Er konnte gut zeichnen und einige Instrumente leidlich spielen. Besonders leicht fiel ihm die Darstellung seiner Beobachtungen in Reimform, die er bei privaten oder Vereinszusammenkünften zum Besten gab. Mit dem „Karl vom Ebbe“ – Vater Karl und seine Großväter Carl Sträter und Carl Schriewer drängten sich als Namenspaten geradezu auf – präsentierte er seine Anmerkungen zu lokalen Ereignissen erstmals auf dem Schützenfest- Frühschoppen 1960 einem größeren Publikum. Auf den Frühschoppen der beiden nachfolgenden Schützenfeste 1962 und 1964 trat Karl vom Ebbe in Gestalt des Wilhelm Vogel wieder auf. 1967 übernahm Fritz Sträter selber diese Rolle, dieses Mal auf der Karnevalsveranstaltung der Meinerzhagener Kulturgemeinde. 1972, 1974 und 1980 war Fritz Sträter alias Karl vom Ebbe dann wieder Gast auf den Schützenfest- Frühschoppen. Danach trat er als "Karl vom Ebbe" nur noch auf dem „Musikalischen Heimatabend“ – im Dezember 1981 zur Einstimmung auf das 400jährige Jubiläums-Schützenfest im Jahre 1982 –  sowie auf dem Konzert der Schützengesellschaft Meinerzhagen 1996 auf; beide Veranstaltungen fanden in der Stadthalle Meinerzhagen statt.

Auch als Botschafter des sauerländisch-märkischen Platt war Fritz Sträter gefragt. So wurde ihm das Grußwort auf dem Heimattag des Märkischen Kreises 1980 in Meinerzhagen angetragen; und er überbrachte die Grüße der Bevölkerung Meinerzhagens beim Delegationsbesuch in der niederländischen Stadt IJsselmuiden anlässlich der 20jährigen deutsch-holländischen Städtepartnerschaft im Jahre 1981. Mit seinem Grußwort bei der Enthüllung der Karl-vom-Ebbe-Skulptur vor der Volksbank Meinerzhagen im Jahre 1996 beendet Fritz Sträter faktisch seine Zeit als Autor und Interpret der inzwischen zum Stadtsymbol avancierten Figur des Ebbebauern.

 

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WILHELM VOGEL

Wilhelm Vogel wurde 1901 in Meinerzhagen geboren und wuchs als eines von fünf Kindern im elterlichen Haus auf der Höh auf. Sein Vater, von Beruf Postbote, verstarb früh. Als 15jähriger begann er eine Schreinerlehre bei seinem Onkel Fritz Röwenstrunk in Meinerzhagen, die er nach Gesellenjahren in Lüdenscheid und Herford 1925 mit der Meisterprüfung abschloss. Im selben Jahr trat er der Freiwilligen Feuerwehr Meinerzhagen bei.

Nach dem Tod seines Onkels übernahm er 1931 dessen Werkstatt am Gruner Weg neben der Gaststätte Theile in der Derschlagerstraße, in der er bis 1967 tätig war. 1975 verlieh ihm der Präsident der Handwerkskammer Arnsberg die seltene Auszeichnung des "goldenen Meisterbriefes".

Der Freiwilligen Feuerwehr gehörte Wilhelm Vogel 40 Jahre an, in denen er 15 Jahre als Amtsbrandmeister tätig war. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Wilhelm Vogel zum "Ehrenhauptbrandmeister" ernannt. Darüber hinaus war er Träger mehrerer Feuerwehr- Ehrenabzeichen und des Feuerwehr- Ehrenkreuzes des Deutschen Feuerwehrverbandes.

Der Löschzug Meinerzhagen rief 1929 auch die Meinerzhagener Freilichtspiele in der Grotmicke ins Leben, bei deren Aufführungen Wilhelm Vogel aktiv mitwirkte und als begeisterter Laienschauspieler oft Hauptrollen übernahm, angefangen mit dem Wilhelm Tell 1929.

Karl vom Ebbe wurde von Wilhelm Vogel zu vier Anlässen verkörpert, nämlich auf den Frühschoppen der Schützenfeste 1960, 1962 und 1964 sowie zur Begrüßung des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard 1965 in Meinerzhagen.

An seinem 80. Geburtstag (1981) nahm Wilhelm Vogel, der Interpret des Karl vom Ebbe, Glückwünsche von Fritz Sträter, dem Autor des Karl vom Ebbe, mit diesen Zeilen entgegen:

 

TAUM ACHZIGSTEN

Et es noch nit lang un noch gar nit sou wiet,
do gab et dei gurre olle Tied.
Op am oder riek, op witt oder schwatt,
sei küeten oall unser däftiges Platt.
Du bis noch ejner von dern däftigen Ollen,
met die kamme siak ouk noch op platt ungerhollen.
Dat diet so bliëwet in jejder Lage,
dat es mien Wunsch an diasem Dage.

 

 

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Fritz Sträter 2005

 

 

 

 




 

 

 

 

 

 

 

 

 Karikatur FS

Karikatur von Fritz Sträter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  




 

 




 

Image

Wilhelm Vogel 1982

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zum Achtzigsten
Es ist noch nicht lang und noch gar nicht so weit (her), / da gab es die gute alte Zeit. / Ob arm oder reich, ob weiß oder schwarz, / sie sprachen alle unser deftiges Platt./
Du bist noch einer von diesen deftigen Alten, /
mit Dir kann man sich auch noch auf Platt unterhalten. / Dass dies so bleibt in jeder Lage, / das ist mein Wunsch an diesem Tage.